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Die Swisscom realisierte als Pilot-Unternehmen die Integration
für Beschaffungprozesse zwischen SAP R/3 und Commerce One
Buysite. Dabei setzten die Schweizer auf eine Software, deren
Konzept sich von herkömmlichen EAI-Lösungen (Enterprise
Application Integration) deutlich unterscheidet. Reto von Arb*
schildert das Vorgehen.
E-Procurement ist in aller Munde, und das Internet fungiert als
der Schlüssel, um die Geschäfts- und insbesondere die
Beschaffungsprozesse mit den Zulieferern über Unternehmensgrenzen
hinweg zu optimieren. Produktkosten lassen sich so um bis zu 15
Prozent, Prozessausgaben um 90 Prozent und Lieferzeiten um 70 Prozent
senken. Auch die Swisscom AG versteht das Web als Chance, das teure
Beschaffungswesen zu rationalisieren. 1999 begann der Schweizer
Kommunikationsdienstleister damit, einen eigenen B-to-B-Marktplatz
aufzubauen: Conextrade heißt die Online-Handelsplattform,
die im März 2000 ihren Betrieb aufgenommen hat. Sie diente
zunächst der konzerneigenen Einkaufsabteilung als E-Procurement-Lösung.
Den Anfang machten Transaktionen mit so genannten indirekten oder
C-Gütern wie etwa Büromaterial, PDA (elektronische Agenden)
oder DV-Zubehör. Diese haben jährlich ein Handelsvolumen
von rund 200 Millionen Franken. Mehrere Lieferanten wie zum Beispiel
die Waser Bürocenter AG oder die Comdirect AG sind bereits
an den Marktplatz angeschlossen. In einer zweiten Realisierungsphase
gibt Conextrade weiteren Unternehmen die Möglichkeit, ihr
Beschaffungswesen auf das Web zu verlagern und effizient mit weltweiten
Geschäftspartnern zu handeln. In einer dritten Stufe dehnt
die Swisscom das Angebot von Conextrade auf kleine und mittelständische
Unternehmen aus. Darüber hinaus will das Unternehmen Zusatzdienste
wie Zahlungsabwicklung und Logistik integrieren. Derzeit arbeitet
man mit strategischen Partnern wie der Schweizer Post an entsprechenden
Konzepten.
Im Herbst 1999 fiel die Entscheidung, einen B-to-B-Marktplatz
auf den Lösungen Marketsite und Buysite von Commerce One aufzubauen.
Die Einrichtung der Buysite-Plattform nahm das Competence Center
SAP (CC SAP) am Berner Hauptsitz der Swisscom in Angriff, nachdem
bereits vorher Erfahrungen mit der Implementierung einer anderen
E-Procurement-Lösung gesammelt werden konnten. Die vorrangige
Herausforderung bestand darin, die konzerneigene Einkaufsabteilung
als ersten Großkunden nahtlos mit Conextrade zu verknüpfen.
Dazu war die Software über eine zuverlässige Schnittstelle
mit dem SAP-System, das die Einkaufsabteilung primär nutzt,
zu integrieren. SAP R/3 dient der Swisscom bereits seit 1995 als
Rückgrat ihrer Systemlandschaft. Rund 9000 Mitarbeiter greifen
auf die unternehmensweite ERP-Lösung zu. Im Einsatz sind neben
dem Modul für Materialwirtschaft auch die Komponenten für
Projekt-Management, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling und
Vertrieb sowie das Business Warehouse.
Eine Eigenentwicklung der notwendigen Konnektoren und Adapter
für die Schnittstelle zwischen Buysite und R/3 kam für
das CC SAP nicht in Frage. Schließlich hat sich im SAP-Umfeld
der Swisscom seit Jahren der Grundsatz bewährt, möglichst
wenige Anwendungen und Komponenten selbst zu erstellen und stattdessen
auf Standardsoftware zu setzen. Dieses Vorgehen spart vor allem
im Pflegezyklus von Applikationen Zeit. Darüber hinaus ist
es im Rahmen einer solchen IT-Strategie wesentlich einfacher, die
IT-Infrastruktur ständig an die aktuellen Marktbedingungen
und Technologien anzupassen.
Die Swisscom entschied sich, die Integration mit der Technologie
des Actional Control Broker (ACB) anzugehen. Bereits in verschiedenen
anderen Projekten hatte man im Hause positive Erfahrungen mit dieser
Standard-Lösung gemacht: 1999 integrierte das Team das R/3-System über
den ACB mit einem Webshop für Wiederverkäufer sowie mit
einem Swisscom-weiten ProduktdatenManagement-System. Darüber
hinaus wurde das R/3-System damit an eine neu entwickelte Anwendung
für Kundeninformationen angebunden. Seit Januar 2000 können
die Call-Center-Mitarbeiter des Unternehmens jederzeit auf die
im R/3-System vorhandenen Kundendaten zugreifen.
Die besondere Herausforderung bestand darin, für einen reibungslosen
Ablauf von Einkaufsprozessen über System- und Unternehmensgrenzen
hinweg zu sorgen. Die Swisscom benötigte eine Integration,
die zum einen Buysite in die Lage versetzt, in R/3 Zielkontierungen
zu überprüfen, Bestellungen abzusetzen und Wareneingänge
zu buchen. Zum anderen war eine Verbindung gefragt, die es R/3
erlaubt, SAP-Bestellnummern an die Commerce-One-Lösung rückzumelden.
Kurzum: Das Entwicklungsteam musste es sowohl R/3 als auch Buysite
ermöglichen, die jeweils andere Anwendung zu steuern und dort
Prozesse in Gang zu setzen.
Herkömmliche EAI-Lösungen leisten dies nicht. Bei ihnen
handelt es sich um Many-to-Many-Architekturen, die über eine
eigene (redundante) Prozesslogik verfügen, um Daten zwischen
Anwendungen zu übertragen. Auf diese Weise streben sie eine
universelle Kommunikation zwischen einer Vielzahl von Applikationen
an. Ihnen gelingt es jedoch in der Regel nicht, die "Integrationsschwäche" von
Back-Office-Anwendungen wie etwa SAP R/3 oder eigenentwickelten
Anwendungen zu überwinden. Traditionelle EAI-Lösungen
integrieren solche Applikationen nur insoweit, dass diese selbst
andere Applikationen für den Außenkontakt mit Zulieferern
und Kunden steuern können. Die Kontrollkompetenz der Front-Office-Applikationen
bleibt eingeschränkt: Sie sind ihrerseits nicht in der Lage,
Prozesse in ERP-Systemen oder Datenbanken anzustoßen.
Die ACB-Technologie verfolgt eine ganz andere Strategie: Sie verbindet
ausgewählte Applikationen mit standardisierten Schnittstellen,
die wartungsarm und leistungsfähig sind. Dazu bietet die Software
fertige Konnektoren und Adapter für eine Vielzahl gängiger
Standards zur Kommunikation zwischen Anwendungen: RFC von SAP,
Corba, COM/DCOM, Bea Tuxedo, EJB, XML und andere. Auf diese Weise
versetzt ein ACB eine Applikation in die Lage, als natürliches
Modul jeder anderen Anwendung aufzutreten. Das Resultat sind direkte
Verbindungen zwischen Anwendungen, über die jede Applikation
die jeweils andere steuern und kontrollieren kann.
Mit der Integration zwischen dem SAP R/3 und Commerce One Buysite
betrat das CC SAP der Swisscom Neuland. Als weltweit erstes Entwicklungsteam
realisierten die Schweizer verschiedene Schnittstellen zur Steuerung
der E-Procurement-Prozesse über die standardisierten Schnittstellen-Objekte
der beiden Lösungen: die BAPIs des ERP-Systems und die Open-APIs
des B-to-B-Marktplatzes. Obwohl das Integrationsteam des CC SAP
als Vorreiter auf etliche bisher unbekannte Anforderungen stießen,
lief die Realisierung der Schnittstelle weitestgehend reibungslos
ab. Relativ kurzfristig war das Projekt abgeschlossen. Dabei profitierte
das Berner CC SAP von der zuverlässigen Technologie des ACB,
von seiner Erfahrung im Umgang mit der Software und generell mit
der Integration von SAP mit anderen Applikationen sowie vom Support
durch Actional.
Konsistenter Belegfluss gewährleistetDarüber hinaus
erwies sich der ACB beim Aufbau der Schnittstelle als anwenderfreundliche
und übersichtliche Lösung: Alle Objekte zur Beschreibung
von Geschäftsprozessen lassen sich unabhängig von ihrer
Systemumgebung anzeigen. Entwickler haben die Möglichkeit,
in der jeweils bevorzugten Sprachsyntax zu programmieren. Die SAP-Spezialisten
arbeiten also auch dann in der BAPI-Semantik, wenn sie Schnittstellen-Elemente
auf der Seite von Commerce One erstellen.
Die Integration über den ACB läuft seit Inbetriebnahme
des B-to-B-Marktplatzes zuverlässig. Durch die Integration
des Geschäftsprozesses vom Käufer bis zum Lieferanten
kann ein konsistenter Belegfluss für eine weitgehend automatisierte
Rechnungsprüfung gewährleistet werden. Dies gilt auch
nach den weiteren Ausbaustufen von Conextrade. Pilot-Installationen
und Leistungstests haben gezeigt, dass die Anbindung auch bei einem
größeren Transaktionsvolumen zuverlässig und leistungsfähig
ist.
Im Wartungszyklus werden einige Vorzüge des Control Broker
gegenüber handgestrickten Lösungen sichtbar:
- die Anbindungen haben einen sehr geringen Wartungsaufwand;
- Release-Wechsel oder veränderte Geschäftsprozesse
geraten nicht zum Großprojekt;
- die Technologie ist flexibel;
- Schnittstellen lassen sich mit wenigen Mausklicks anpassen und
erweitern.
*Reto von Arb war Head of SAP Integration und stellvertretender
Leiter des Competence Center SAP der Swisscom AG; mittlerweile
wurde er Mitgründer und ist heute Teilhaber der Firma Novaintegra
AG in Biel-Bienne (Schweiz).
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